Martinshorn auch bei Nacht?

Bild: Feuerwehr/Coenen

Immer wieder werden wir – insbesondere nach nächtlichen Einsätzen – mit dem Vorwurf konfrontiert, Einsatzstellen nicht leise genug angefahren zu haben.
Gerade, wenn sich im Nachhinein rausstellt, dass ein Fehlalarm Grund für den Einsatz war.

In einem konkreten Fall hatte eine interne Brandmeldeanlage in einem unübersichtlichen Gebäudekomplex ausgelöst. Der Alarm wurde deshalb telefonisch bei der Leitstelle gemeldet. Folgerichtig gehandelt, da sonst auch die besten Rauchmelder sinnlos wären.

 

Einsatzfahrt zu laut?

Via Facebook gab es Beschwerden, dass die anfahrenden Einsatzfahrzeuge zu laut gewesen seien.

Wird das so genannte Martinshorn auf der Einsatzfahrt nicht zum Blaulicht zu geschaltet, sind die Fahrzeugbesatzung und andere Verkehrsteilnehmer einer höheren Gefahr ausgesetzt. Denn: Die Einsatzfahrzeuge befinden sich in gebotener Eile und dürfen die vorgeschriebene Geschwindigkeit überschreiten, wenn die übrigen Umstände das zulassen. Dafür sind die Fahrer speziell geschult.

Überwiegend werden bei den Feuerwehren Lastkraftwagen eingesetzt, die zum einen schwerer zu fahren sind, als kleine PKW. Zum anderen können sie im Straßenverkehr allein auf Grund ihrer Größe ein höheres Risiko darstellen. Damit eben dieses Risiko möglichst gering bleibt, warnen wir mit Blaulicht und Martinshorn frühzeitig den restlichen Straßenverkehr.

 

„Mit einem Bein im Gefängnis“

Die rechtliche Grundlagen bilden vor allem die Paragraphen 35 und 38 der Straßenverkehrs-Ordnung – Sie können das gerne googeln. Innerhalb der Feuerwehren hört man gelegentlich den Spruch, dass Maschinisten, also die Kraftfahrer, trotzdem immer mit einem Bein im Gefängnis ständen. Damit unsere eingesetzten Kräfte also nicht nur körperlich, sondern auch rechtlich auf der sicheren Seite sind, wird das Martinshorn die überwiegende Zeit zusätzlich zum Blaulicht eingeschaltet. Denn, kurz gesagt: Kommt es zu einem Unfall und das Horn war nicht zugeschaltet, hat der Fahrer ein mächtiges Problem.

Da wir gelegentlich auch zu hören bekommen, dass Bürgerinnen und Bürger wegen einer Sirenenalarmierung oder Einsatzfahrt nicht durchschlafen konnten, möchten wir noch sagen: Auch bei Standardeinsätzen, zum Beispiel fehlerhaft ausgelösten Brandmeldeanlagen, sind nachts bis zu 50 freiwillige Feuerwehrleute vor Ort, die nur wenige Stunden später zu ihrer eigentlichen Arbeit aufbrechen. Wenn Sie auf Grund der Sirenen kurz aufwachen, fängt für uns der Einsatz gerade erst an. Wir machen das natürlich gerne, sind uns aber auch sicher, dass die meisten von Ihnen Verständnis haben, wenn es manchmal etwas lautet wird.

 

Beispiel: Fahrt bei Nacht

Im Video ist zu sehen, wie eines unserer Fahrzeuge nachts auf dem Weg zu einer Einsatzstelle durch Hilfarth fährt. Auf den ersten Blick würde man das eingeschaltete Martinshorn vielleicht überflüssig finden, schließlich sind kaum anderen Autos zusehen. Aber: Auf beiden Straßenseiten gibt es Einmündungen. Dabei handelt es sich zwar um Einbahnstraßen, Fahrradfahrer könnten diese aber trotzdem unaufmerksam befahren. Insbesondere aber auf Grund der roten Ampel ist das Horn an dieser Stelle unverzichtbar, damit andere Fahrer frühzeitig auf das Einsatzfahrzeug aufmerksam gemacht werden. Unser Fahrer bremst natürlich trotzdem ab, sodass die Kreuzung in geringem Tempo überquert wird.

Falls Sie unsicher sind, wie Sie mit Einsatzfahrzeugen im Straßenverkehr umgehen sollten, helfen Ihnen vielleicht unsere Tipps aus einem früheren Blogpost weiter.

 

An dieser Stelle noch ein Nachtrag vom 16.9.2016 aus der Rheinischen Post.
Der Fahrer eines Einsatzfahrzeuges auf Einsatzfahrt ohne Martinshorn trägt volles Risiko. Im folgenden Zeitungsartikel wurde dies einem Polizeibeamten zum Verhängnis. Dieser darf den aufgekommen Schaden nach einem Unfall aus eigener Tasche zahlen. Dies wurde Gerichtlich entschieden.  Hier ist zwar von einem Polizeibeamten die Rede, jedoch kann dies unter Umständen auch auf Feuerwehr- und Rettungsdienstpersonal zutreffen.  Ich denke diesen Schuh möchte sich kein Kamerad anziehen.                Klicken Sie auf den Artikel.
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